Der Consultancy Management Standard III (CMS III), auf dessen Audit sich ORCA van Loon Communication derzeit vorbereitet, signalisiert nachvollziehbar, welche Unternehmen sich qualitativer und ethisch sauberer Arbeit verpflichten. Damit ist CMS III nicht nur ein Gütesiegel für Kund*innen, sondern auch eine Orientierungshilfe für Mitarbeitende.

Als ein Teilbereich dieser Selbstreflektion, haben wir uns intern mit dem Thema Ethik beschäftigt. Und wer sich mit Ethik in der PR auseinandersetzt, der*die kommt nicht am Deutschen Rat für Public Relations (DRPR) vorbei. ORCA van Loon Communications ist als Mitglied der DPRG und GPRA verschiedenen Ethik-Standards verpflichtet. Deren Einhaltung wird vom DRPR als Organ der freiwilligen Selbstkontrolle geprüft. Zu diesen Standards gehören unter anderen die Inhalte der historischen Branchenkodizes Code d’Athène (1965) sowie Code de Lisbonne (1978). Daneben gibt es Ethik-Leitlinien, die der Rat 2012 selbst in einem Kommunikationskodex herausgegeben hat sowie verschiedene Ratsrichtlinien. Hier werden auch moderne Herausforderungen, wie etwa in der Online-PR, thematisiert.

Darüber hinaus geben einige Unternehmen eigene Handbücher oder Leitlinien heraus – so auch ORCA van Loon Communications.

Ist damit alles gesagt? Wir haben gefragt!

Klar ist, es gibt einige Ethik-Wegweiser. Doch, welche Relevanz haben diese Leitlinien in der täglichen Arbeit? Und gibt es offene Wünsche?

Unsere kleine interne Umfrage unter den ORCAs in Hamburg, Berlin und München orientiert sich am European Communication Monitor 2020, in dessen Erhebung über 2.000 Personen zu ethischen Herausforderungen befragt wurden. Hier zeigte sich, dass rund 64,8% der Befragten in den letzten zwölf Monaten mindestens einer ethischen Herausforderung gegenüber standen. Das ist fast deckungsgleich mit unserem Ergebnis von 64,5%. Dabei gaben 44,4% der ORCAs an, dass sie am ehesten ethische Bedenken in Beratungssituationen haben. Dies ist der Spitzenwert, gefolgt von Situationen im Projektmanagement und der Budgetierung (37%) sowie im Medienkontakt und Themen rund um Social Media (je 33,3 %).

Welche Szenarien bereiten Bauchschmerzen?

Um diese Angaben zu präzisieren, haben wir einige Szenarien vorgegeben und die Befragten gebeten, die zu markieren, bei denen sie am ehesten ethische Bedenken hätten. Ungeschlagener Spitzenreiter mit 95,8% Zustimmung ist das Szenario „Kund*innen beraten, deren Produkte und Dienstleistungen ich selbst kritisch bis negativ sehe“. Wenn hingegen ein Großteil der Öffentlichkeit die Produkte und Dienstleistung von Kund*innen kritisch bis negativ sehen, war das nur für 29,2% Grund für ethische Bedenken.

Ebenfalls kritisch sehen die ORCAs den Einsatz von Bots, um Follower und positives Feedback auf Social Media zu generieren (70,8%). Im European Communication Monitor schätzten dies 67,6% als „extremely“ oder „very challenging“ ein. Die „Verwendung gesponserter Social Media-Posts und gesponserter Artikel auf Nachrichten-Websites, die wie reguläre Inhalte aussehen“ betrachten ein Drittel der Befragten als ein Szenario, bei dem sie ethische Bedenken hätten. Die restlichen Szenarien bekommen jeweils von 16 bis 29 % Zustimmung. Um hier methodisch korrekt zu bleiben: Möglicherweise spielen auch Drittvariablen eine Rolle, so dass wir keine Rückschlüsse ziehen können, wieso sich die Befragten für oder gegen die Angabe entschieden haben. Ob sie im jeweiligen Szenario kein ethisches Problem sehen oder schlicht keine beruflichen Berührungspunkte mit einer solchen Tätigkeit haben – oder etwas ganz anderes – können wir nicht sagen.  

Welche Medizin hilft?

Wir wollten in der Umfrage nicht nur die herausfordernden Szenarien identifizieren, sondern wissen, welche Lösungsstrategien es gibt und wie wir uns hier verbessern können. Nur so können wir uns als Arbeitgeber weiterentwickeln und unsere Mitarbeitenden bei ethischen Bedenken unterstützen.

Also, worauf greifen die ORCAs zur Beantwortung einer ethischen Frage zurück, wenn sie sich unsicher sind? Die Antwort: Den Rat von Kolleg*innen, gefolgt von Erfahrungen aus vergangenen Situationen und dem Bauchgefühl. Das sind die wichtigsten Quellen. Die Antwortkategorien „Schriftliche Regelungen innerhalb des Unternehmens“ und „Kodizes der Branche“ liegen zwar untereinander fast gleichauf aber abgeschlagen hinter den vorherigen. Das lässt die Vermutung zu, dass der Austausch zu einer konkreten Situation wichtiger ist, als generelle Verhaltenshinweise. Nichtdestotrotz: Über 90 % der Befragten gaben an, dass für sie diese fünf genannten Lösungsstrategien ausreichen. Ergänzend wurden noch eigene Internet-Recherchen angegeben sowie Recherchen bei meinungsbildenden Personen, deren Haltung geschätzt wird.

Wie können wir als Arbeitgeber unterstützen?

Ausreichende Lösungsstrategien scheint es also zu geben. Haben die ORCAs trotzdem offene Wünsche in Bezug auf Ethik in der PR oder ihrer eigenen Tätigkeit? Auch das haben wir in einer offenen Frage erhoben. Dabei kamen ganz verschiedene Punkte heraus, die sowohl die Branche als auch uns als Unternehmen in die Verantwortung nehmen:

  • Einen häufigen und offenen Diskurs zum Thema Ethik in der PR, insbesondere bei Grauzonen
  • Schulungen, um für das Thema zu sensibilisieren
  • Wahlmöglichkeit, ob Projekte übernommen werden, ohne für die Entscheidung sanktioniert oder beäugt zu werden
  • Strikte Vorgaben der Führungsebene, die auch an Kund*innen kommuniziert werden
  • Mut zum Neinsagen, auch wenn es geschäftlich wehtut
  • Mehr Ehrlichkeit und Transparenz von Organisationen
  • Steigerung der Qualität im professionellen Journalismus
  • Höhere Strafen für ethische Verstöße, nicht nur Rügen

In dieser bunten Mischung können wir nicht alle Punkte selbst gestalten – einige aber schon.

Und die wollen wir angehen. Das nächste Teammeeting hierzu ist in Planung: Wo liegt unser Fokus? Wie können wir besser werden? Das Format „Im Selbsttest“ hat bereits zu den Themen Unternehmenskultur und Home Office wichtige Insights gegeben, durch die wir gemeinsam unsere Unternehmensentwicklung gestalten konnten. 

Übrigens: Wie lange ein ORCA bereits in der Kommunikationsbranche tätig ist, hatte keinen signifikanten Einfluss auf die Einschätzungen innerhalb der Umfrage. Ebenso wenig hat Corona die Anzahl an ethischen Herausforderungen erhöht.

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de_DEDeutsch