Walgesang: Welchen Einfluss hat die aktuelle Coronakrise auf das Berufsbild des Kommunikationsberaters?

 In Allgemein

Ein Gespräch zwischen Dietrich Schulze van Loon und Frederike Buddensiek, Trainee bei ORCA van Loon Communications

 

Frage 1: Frederike, Du hast Dich für die Kommunikationsberatung als Beruf entschieden und bist daher folgerichtig seit Januar dieses Jahres als Trainee bei ORCA van Loon Communications eingestiegen. Was hat Dich dazu bewegt, diesen Beruf zu wählen und welche Ausbildung hast Du absolviert?

Mein Interesse an dem Beruf des Kommunikationsberaters hat sich aus meinem Engagement im universitären Zusammenhang entwickelt. Während meines Studiums der Politik- und Kommunikationswissenschaft war ich in verschiedenen Hochschulgruppen aktiv und habe bei der Planung von Projekten und Veranstaltungen stets bei den PR- und Marketing Maßnahmen mitgewirkt. Diese ersten Berührungspunkte mit der Kommunikationsarbeit haben mich dann dazu motiviert, praktische Erfahrungen durch Praktika und Werkstudententätigkeit sowohl in Kommunikationsagenturen als auch auf Kundenseite in Kommunikationsabteilungen zu sammeln. Das kreative und abwechslungsreiche Arbeiten hat mich schnell davon überzeugt, dass es der richtige Beruf für mich ist. Die Entscheidung einen Master in Strategic Communications and Public Relations in Schottland zu absolvieren ist mir entsprechend leicht gefallen. Um nach dem Studium optimal in den Beruf einzusteigen, habe ich mich dann für ein Traineeship entschieden. Die Position ermöglicht es mir, schnell Verantwortung zu übernehmen und gleichzeitig von erfahrenen Kollegen lernen zu können. Nun, bald sechs Monate nach Beginn meines Traineeships, bin ich nach wie vor überzeugt, dass es die richtige Entscheidung für mich war.

Frage 2: Eine wirklich weitsichtige Herangehensweise. Zu meiner Zeit war es noch gar nicht möglich, das Thema Strategische Kommunikation und Reputationsmanagement zumindest in Deutschland zu studieren. Public Relations war ein lästiges Anhängsel im Marketing und das dazu benötigte Budget wurde mit einer Gleichung mit drei Unbekannten berechnet. Also meilenweit von der Bedeutung der Kommunikationsberatung  von heute entfernt. Umso erfreulicher ist die Weiterentwicklung der universitären Ausbildung international und vor allem auch in Deutschland.  Wo siehst Du hier die wesentlichen Unterschiede und welche Anregungen hast Du für die entsprechenden Studiengänge und deren Absolventen?

Das steigende universitäre Angebot an kommunikationsbezogenen Abschlüssen und die steigenden Studierenden- und Absolventenzahlen im Bereich der strategischen Kommunikation sind ein eindeutiger Indikator für die wachsende Relevanz des Berufs. Im angelsächsischen Sprachraum verfügt die PR-Forschung und Lehre über eine vergleichsweise lange Tradition, weshalb mich ein Studium in Großbritannien sehr gereizt hat. Mein Studium der Strategischen Kommunikation in Schottland zeichnete sich durch eine hohe Anwendungsorientierung aus, die jedoch die theoretischen Grundlagen nie außer Acht gelassen hat. Dadurch habe ich das Lernen als sehr nachhaltig empfunden. So habe ich unter anderem anhand realer Kunden gelernt, eine langfristige Kommunikationsstrategie zu entwickeln – von der ersten Analyse bis hin zur Messung des tatsächlichen Outputs. Das sind grundlegende Kenntnisse, die ich jetzt im Beruf aktiv umsetzen kann.

Es wird häufig erwähnt und auch ich kann es Studierenden und Absolventen nur ans Herz legen:  die frühe Vernetzung in die Branche. Sei es über den Besuch von Vorträgen oder die Teilnahme an Netzwerkveranstaltungen. Das ist auch ein Aspekt, der von der Universität in Schottland in einer Art und Weise gefördert wurde, wie ich es in Deutschland so noch nicht kennengelernt habe. Zum Beispiel hat die Universität Mentorenprogramme mit Branchenprofis organisiert und Kooperationen mit den beiden wichtigsten britischen Organisationen für Kommunikation – CIPR und PRCA – gepflegt. Ich konnte so schon früh professionelle Kontakte knüpfen, viel praktisches Wissen sammeln und gleichzeitig neue Motivation für mein Studium gewinnen. Die Studierenden stehen aber auch selbst in der Verantwortung, diese Netzwerkmöglichkeiten bewusst zu suchen und zu nutzen.

Frage 3: Überall ist zu lesen, nach Corona ist nichts mehr wie es war!  Zwischen uns liegen etliche Jahrzehnte und als älterer, durch etliche Höhen und Tiefen gegangener Zeitgenosse, gibt es sicherlich unterschiedliche Sichtweisen.  Wie beurteilst Du die Lage und welche Schlüsse ziehst Du daraus für Dich persönlich und Deinen Beruf?

Ich denke es ist unstrittig, dass die Coronakrise eine Ausnahmesituation darstellt, wie wir sie bisher noch nicht erlebt haben, insbesondere durch die Art und Weise wie sie alle Bereiche unserer Gesellschaft erfasst.

Die Kommunikation ist davon nicht ausgenommen und die Coronakrise stellt eine enorme Herausforderung für sie dar. Ich plädiere jedoch dafür, sie gleichzeitig als Chance zu verstehen.

So hat sich in der Krise ganz deutlich gezeigt, wie wichtig eine strategische Unternehmenskommunikation ist, insbesondere in Bezug auf die interne Kommunikation. Nur wenn in Unternehmen etablierte Strukturen für die interne Kommunikation vorhanden sind, können sie in einer Krise wie der jetzigen handlungs- und kommunikationsfähig bleiben. Nur wenn Unternehmen es schaffen Entwicklungen, Entscheidungen und Maßnahmen für die Mitarbeiter nachvollziehbar zu kommunizieren, behalten sie auch in der Krise deren Vertrauen.

Meine Einschätzung ist daher, dass der Kommunikationsbedarf in den Unternehmen nach Corona steigen wird. Der damit einhergehenden Verantwortung sollte sich jeder Kommunikationsberater bewusst sein. Kommunikation prägt die Gesellschaft in der wir leben und kann Orientierung schaffen in Zeiten, die durch einen Überfluss an News und Informationen sowie eine wachsende Unsicherheit geprägt sind. Als Kommunikationsberater müssen wir uns daher gerade jetzt durch eine vernünftige und bedachte Kommunikation bewähren.

Frage 4: Du stehst zwar erst am Anfang Deiner Karriere, aber gerade das erlaubt Dir noch einen unverbauten Blick nach vorn. Wie stellt sich ORCA van Loon Communications Deiner Meinung vor dem beschriebenen Hintergrund auf? Welche Rolle hat dabei die Arbeit im Homeoffice für eine so lange Zeit gespielt? Was haben wir Deiner Meinung nach aus der Zeit im Home-Office gelernt und was können wir daraus für unsere zukünftige Zusammenarbeit im Team mitnehmen?

Ich denke bei ORCA van Loon Communications verdeutlicht sich, was ich soeben ausgeführt habe: sind grundlegende Strukturen der internen Kommunikation gegeben, gelingt die schnelle und flexible Einstellung auf die neue Situation in der Krise. Das Home Office war eine Option, die allen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen bereits vor der Krise zur Verfügung stand und durch fest im Arbeitsprozess etablierte Online-Tools für die interne Kommunikation ermöglicht wurde. Das hat uns die Umstellung ins permanente Home Office deutlich erleichtert und geholfen, die Produktivität aufrechtzuerhalten.

Ein zentraler Bestandteil, um die Arbeit im Home Office gut zu meistern, waren für mich persönlich die regelmäßigen Team-Meetings über Video-Tools. Dadurch habe ich mich durchgängig über aktuelle Entwicklungen in der Agentur informiert gefühlt und auch die enge Verbindung zum Team wurde so aufrechterhalten. Gemeinsam können wir die Coronakrise so digital meistern. Dankenswerterweise konnte so bisher für mich ein Lagerkoller im Home Office vermieden werden.

Die Krise hat uns insgesamt gezeigt, wie gut wir als Team auch in schwierigen Zeiten zusammenarbeiten können. Das ist ein ganz zentraler Punkt, aus dem wir für unsere zukünftige Arbeit Selbstbewusstsein und Stärke ziehen können.

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