Wikipedia ist hässlich. Kaum Bilder, keine Farben, keine eigens entwickelte und preisgekrönte Hausschrift, welche durch ein ganz raffiniert geschwungenes R die Werte des eigenen Unternehmens deutlich widerspiegelt. Und doch wollen viele Unternehmen genau hier stattfinden. Warum eigentlich?

Weil man Wikipedia nicht kaufen kann.

Aber fangen wir von vorne an: Wikipedia erscheint fast immer ganz oben in den Suchergebnissen, das ist ein alter Hut. Auf Wikipedia sind alle Zielgruppen unterwegs – ob Investor*in, Bewerber*in oder Kund*in. Das wichtigste ist und bleibt aber die Glaubwürdigkeit: Wikipedia ist ein Gemeinschaftsprojekt, welches auf Freiwilligkeit beruht, ein sich selbst kontrollierendes System darstellt und so eben kein Kommunikationskanal ist, sondern ein soziales Netzwerk.

Die ersten beiden Punkte, die Suchmaschinenplatzierung und Zielgruppendiversität, resultieren aus der Glaubwürdigkeit. Die ist damit nicht nur für das Wikipedia-Projekt essentiell. Sie muss auch im Interesse der Unternehmen liegen, die hier aktiv werden möchten.

Unternehmen müssen Wikipedia gegen Missbrauch verteidigen!

Halt. Stopp! Aktiv werden? Das hört die Wikipedia-Community gar nicht gern. Teile der Community lehnen das bezahlte Schreiben sogar ganz grundsätzlich ab. Das ist nachvollziehbar, denn Wikipedia ist Demokratie im Kleinen. Um hier einmal in die Politikwissenschaft abzuschweifen: Nicht alle Interessen lassen sich gleich gut vertreten, klassische Beispiele sind Kinder, Senior*innen oder Arbeitssuchende. Unternehmen haben es hingegen einfacher ihre Interessen mithilfe ihrer personellen und finanziellen Ressourcen durchzusetzen. Daraus resultieren einige der größten Probleme, die unser Sozialstaat mehr oder weniger versucht aufzufangen, keine Frage! Doch Interessenvertretung grundsätzlich abzulehnen und somit auf Fachexpertise zu verzichten ist nicht die Lösung. Die Lösung ist Transparenz und Einhaltung der Regeln. Das gilt für die große Demokratie genauso wie für die kleine Wikipedia-Demokratie.

Denn auch auf Wikipedia gibt es die Möglichkeit für Unternehmen, transparent aktiv zu werden. Und das ist das oberste Gebot! Denn um die Vorteile, die man nutzen möchte, nicht selbst einzureißen, muss man sie schützen. Als Berater*innen ist es unsere Aufgabe, immer wieder darauf hinzuweisen, die Regeln der Wikipedia zu achten und gegen Missbrauch zu verteidigen. Damit werden nicht alle Probleme gelöst, aber immerhin muss man somit nicht gegen die eigene Überzeugung verstoßen und – für unsere Kund*innen besonders wichtig – man schützt damit die Reputation. Im Übrigen gilt das auch für Demokrat*innen, aber wir schweifen ab. Wie können Unternehmen also aktiv an der Wikipedia teilnehmen?

Goldene Regeln für Unternehmen auf Wikipedia

  1. Verifizierte Accounts als Standard verstehen: Durch die eindeutige Benennung und Verifizierung des Unternehmens-Accounts wird dieser für die Community transparent als „Paid Editor“ kenntlich gemacht.
  2. Transparenzhinweis nutzen: Ein klares Bekenntnis zur Einhaltung der Regeln und die Offenlegung des eigenen Anspruchs und Auftrags auf der Account-Seite erhöht zusätzlich die Transparenz.
  3. Relevanzkriterien einhalten: Alle Änderungen, die ein Unternehmen vornimmt, müssen auf Quellen verweisen, welche die Relevanzkriterien der Wikipedia erfüllen. Wer sich daran hält, braucht grundsätzlich keine Angst vor der Community haben!
  4. Aktiv diskutieren: Einfache Aktualisierungen von Zahlen, Daten und Fakten werden von der Community meist ohne Diskussionen akzeptiert, schließlich gibt es zu wenige Autor*innen und sie hat auch ein Interesse, dass alles aktuell bleibt. Größere Änderungen oder – nach Ansicht des Unternehmens – Falschdarstellungen dürfen aber nicht einfach geändert werden. Die Lösung: Auf der Diskussionsseite können Änderungen vorgeschlagen und diskutiert werden, die dann von der Community selbst eingearbeitet oder die Änderung durch das Unternehmen zumindest akzeptiert werden. In der englischen Wikipedia ist übrigens immer so vorzugehen, andernfalls droht die Sperrung des Accounts. Diskutieren heißt übrigens manchmal auch, die Ablehnung der Gegenseite zu akzeptieren, wenn diese gute Gründe nennt. Wenn nicht, ist die Community hier dennoch am längeren Hebel und es muss weiterdiskutiert werden, bis sie überzeugt ist.
  5. Neutralen Standpunkt einnehmen: Wer Wikipedia als Kommunikationskanal nutzen möchte ist hier falsch. Gute Kommunikation wird vielmehr durch eine neutrale (!) Erwähnung auf Wikipedia belohnt, schlechte abgestraft! Wer also öffentlich – beispielsweise in Zeitungsartikeln – besprochen wird, kann auf diese Referenzen hinweisen und so Tatsachen auch auf Wikipedia sichtbar machen bzw. in die Diskussion mit der Community einsteigen. Wer es nicht schafft die eigene Reputation zu schützen erntet vielleicht negative Schlagzeilen. Und diese werden dann vielleicht durch die Community auf Wikipedia erwähnt. Das kann nicht verhindert werden und sollte viel mehr als Motivation dienen, die eigene Kommunikation zu verbessern. Man kann Wikipedia so auch als Evaluation der eigenen Kommunikationsleistung sehen.

Einen ganz neuen Artikel anzulegen ist übrigens grundsätzlich auch möglich, jedoch nicht im Alleingang. Auch hierbei gelten all diese Regeln, nur müssen außerdem zunächst auch die Relevanzkriterien für einen Artikel an sich erfüllt werden. Und: Hier geht nichts ohne die Community. Wer sich ausschließlich positiv und eigenbestimmt selbst im Netz darstellen möchte, kann sich von uns bei der Entwicklung der eigenen Website beraten lassen. Wikipedia ist dafür nicht geeignet.

Beratung durch „Nein“-sagen

Pessimist*innen fällt es grundsätzlich nicht schwer, eine vorsichtige oder ablehnende Haltung einzunehmen. Doch häufig sind die Wünsche und Vorstellungen von Kund*innen gut nachvollziehbar. Dabei geht es nicht nur um ästhetische oder stilistische Ansprüche, nicht selten stimmen auch Fakten in der Wikipedia nicht. Aber gibt es dafür auch eine Quelle, die das neutral belegt? Die Beratungsleistung liegt hier nicht zuletzt darin, die Position der Community einzunehmen, die Wünsche kritisch zu hinterfragen und eben häufig auch mal „Nein“ zu sagen. Die Lösung ist, dass wir Sie dann gerne bei Ihrer glaubwürdigen Kommunikation beraten und begleiten. Im Ergebnis führt dies zu einer öffentlichen Wahrnehmung, die auch neutrale Akteure überzeugt. Dann sagt auch die Community „Ja!“ und  Wikipedia bleibt auch zukünftig ein Sehnsuchtsort für Unternehmen.

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